Überblick zur Barrierefreiheit in Wien

Wien hat den Access City Award 2025 der Europäischen Kommission gewonnen. Damit wurde das Engagement der Stadt für den Abbau von Barrieren für Menschen mit Behinderung gewürdigt. Die Stadt ist flach, gut gepflegt und hat stark in barrierefreien öffentlichen Nahverkehr investiert. Für Rollstuhlfahrer ist Wien eine der am besten vorbereiteten Städte in Europa.

Das Stadtzentrum (Innere Stadt, 1. Bezirk) liegt auf flachem Gelände entlang des Donaukanals. Die meisten Hauptstraßen haben glatten Belag, breite Gehwege und ordnungsgemäß abgesenkte Bordsteine. Einige Kopfsteinpflasterabschnitte gibt es in historischen Bereichen, besonders rund um den Stephansplatz und in den engen Gassen der Altstadt, aber sie sind im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten begrenzt.

Österreichisches Behindertenrecht

Österreichs Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG) ist seit dem 1. Januar 2006 in Kraft. Die wichtigsten Punkte:

  • Diskriminierung aufgrund einer Behinderung ist beim Zugang zu Waren, Dienstleistungen und der Bundesverwaltung verboten.
  • Unternehmen und öffentliche Dienste müssen angemessene Vorkehrungen treffen, um eine gleichberechtigte Teilhabe zu gewährleisten.
  • Barrierefreiheit wird definiert als die Möglichkeit, Gebäude, Verkehrsmittel, Technologie und Dienstleistungen "in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe" zu nutzen (§ 6, BGStG).
  • Bei Diskriminierung können Sie sich an die Behindertenanwaltschaft wenden.
  • Beschwerden können auch an das Bundesamt für Soziales und Behindertenwesen (Sozialministeriumservice) gerichtet werden.

Was das in der Praxis bedeutet

Das österreichische Gesetz setzt einen hohen Standard. Moderne Gebäude, öffentliche Verkehrsmittel und große Sehenswürdigkeiten erfüllen die Anforderungen gut. Ältere Gebäude im historischen Zentrum, kleine Geschäfte und einige traditionelle Restaurants können noch Barrieren aufweisen. Die Strategie "Inklusives Wien 2030" verbessert den Zugang in allen Bereichen weiter. Überprüfen Sie die Barrierefreiheit immer direkt beim jeweiligen Veranstaltungsort, bevor Sie ihn besuchen.

Straßenoberflächen und Gelände

Wiens Straßen sind für Rollstuhlfahrer generell in gutem Zustand. Die Ringstraße (der breite Boulevard rund um die Altstadt) hat breite, glatte Gehwege. Große Einkaufsstraßen wie die Mariahilfer Straße und die Kärntner Straße sind Fußgängerzonen oder Teilfußgängerzonen mit flachem, ebenem Belag.

  • Glatte Bereiche: Mariahilfer Straße, Kärntner Straße, das Museumsquartier, Wege im Prater und die Rad- und Gehwege auf der Donauinsel.
  • Kopfsteinpflaster: Teile der Inneren Stadt (1. Bezirk) rund um den Stephansplatz, Graben und einige enge Seitengassen in der Altstadt. Das Kopfsteinpflaster hier ist in der Regel flach geschnitten (Wiener Pflaster) und nicht die raue, runde Variante, die man in manchen anderen Städten findet.
  • Parks: Der Volksgarten, Burggarten, Stadtpark und Prater haben alle befestigte Wege, die für Rollstühle geeignet sind. In einigen Parkbereichen gibt es Kieswege, aber die Hauptwege sind befestigt.

Abgesenkte Bordsteine und taktile Bodenleitsysteme

Die meisten Kreuzungen und Zebrastreifen im Zentrum Wiens haben abgesenkte Bordsteine. Taktile Bodenleitsysteme sind in allen U-Bahn-Stationen, an wichtigen Straßenbahnhaltestellen und an zentralen Fußgängerübergängen installiert. Diese erhabenen Streifen leiten sehbehinderte Fußgänger und markieren auch Bahnsteigkanten.

Fortbewegung

Wiens öffentliches Verkehrssystem (betrieben von den Wiener Linien) ist eines der barrierefreiesten in Europa.

  • U-Bahn: Alle U-Bahn-Stationen sind mit Aufzügen ausgestattet. Die Wiener Linien betreiben 291 Aufzüge im gesamten Netz. Die "Liftboy"-App ermöglicht kontaktloses Aufrufen von Aufzügen und die Überprüfung des Aufzugstatus in Echtzeit.
  • Straßenbahnen: Etwa 90 % der Straßenbahnfahrten werden mit ULF (Ultra Low Floor)-Fahrzeugen durchgeführt, die eine Bodenhöhe von nur 197 mm (etwa 20 cm) über der Schiene haben. Das ist fast auf Gehwegniveau und ermöglicht stufenfreies Einsteigen an den meisten Haltestellen. Elektronische Anzeigen an Haltestellen zeigen ein Rollstuhlsymbol, wenn eine Niederflur-Straßenbahn als nächstes kommt.
  • Busse: Alle Buslinien in Wien verkehren mit Niederflurbussen mit ausklappbaren Rampen für Rollstuhlfahrer.
  • S-Bahn und Regionalzüge: Die S-Bahn nutzt eine Mischung aus barrierefreien und älteren Zügen. Die meisten zentralen Stationen sind barrierefrei, aber einige Vorstadthaltestellen haben möglicherweise keine Aufzüge. Prüfen Sie die ÖBB-Website für stationsspezifische Barrierefreiheit.

Siehe unsere detaillierten Verkehrsmittel-Ratgeber für vollständige Informationen zu jedem Transportmittel.

Aufzugstatus vor der Fahrt prüfen

Die Wiener Linien bieten Echtzeit-Updates zum Aufzugstatus über ihre App und Website. Bevor Sie zu einer U-Bahn-Station fahren, prüfen Sie, ob der Aufzug funktioniert. Wenn ein Aufzug außer Betrieb ist, schlägt die App alternative Routen vor. Laden Sie die Wiener-Linien-App vor Ihrer Reise herunter.

Wichtige Kontakte

Dienst Telefonnummer Hinweise
Notruf (alle Dienste) 112 Funktioniert von jedem Telefon. Mitarbeiter sprechen Englisch.
Polizei (nicht dringend) 133 Österreichische Polizei, nicht dringende Angelegenheiten.
Rettung 144 Medizinische Notfälle.
Wiener Linien (Nahverkehr) +43 1 7909 100 Informationen zu Straßenbahn, Bus und U-Bahn.
Apotheken-Hotline 1455 Nächste geöffnete Apotheke finden, einschließlich Nachtapotheken.

Behindertenorganisationen

  • Behindertenanwaltschaft - Die Bundesstelle für Behinderungsdiskriminierung. Website: behindertenanwaltschaft.gv.at
  • BIZEPS - Wiener Zentrum für selbstbestimmtes Leben. Bietet Beratung und Interessenvertretung für Menschen mit Behinderung. Website: bizeps.or.at
  • Österreichischer Behindertenrat - Dachorganisation der österreichischen Behindertenverbände. Website: behindertenrat.at
  • vienna.info - Die offizielle Tourismus-Website der Stadt hat einen eigenen Bereich zum barrierefreien Wien mit detaillierten Ratgebern für Rollstuhlfahrer.

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