Eine Stadt mit guter Barrierefreiheit
Berlin ist eine der barrierefreiesten Hauptstädte Europas. Große Teile der Stadt wurden nach der Wiedervereinigung neu gebaut oder modernisiert. Das bedeutet: moderne Infrastruktur, breite Gehwege und stufenfreie Zugänge sind in der ganzen Stadt verbreitet. Im Vergleich zu älteren europäischen Städten mit mittelalterlichen Grundrissen und Kopfsteinpflaster bietet Berlin Rollstuhlfahrern und Menschen mit eingeschränkter Mobilität ein deutlich angenehmeres Erlebnis.
Dennoch ist Berlin nicht perfekt. Einige ältere U-Bahn-Stationen im Westteil der Stadt haben immer noch keinen Aufzug. Kopfsteinpflaster gibt es in manchen historischen Vierteln. Wenn Sie wissen, was Sie erwartet, können Sie Ihre Reise besser planen.
Deutsches Behindertenrecht
Das wichtigste deutsche Gesetz zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderung ist das BGG (Behindertengleichstellungsgesetz). Dieses Bundesgesetz gilt für die Bundesverwaltung und verpflichtet öffentliche Einrichtungen und Dienste des Bundes, barrierefreien Zugang zu gewährleisten. Zu den wichtigsten Regelungen gehören:
- Barrierefreier Zugang zu öffentlichen Gebäuden und Diensten
- Barrierefreie Kommunikationsformate (Braille, Gebärdensprache, Leichte Sprache)
- Das Recht, Assistenzhunde in öffentlichen Räumen mitzuführen
Berlin hat zusätzlich ein eigenes Landesgleichberechtigungsgesetz (LGBG), das für die Landes- und Kommunalebene gilt und die Bundesvorgaben verstärkt. Die Landesregierung veröffentlicht einen Aktionsplan zur Barrierefreiheit mit konkreten Zielen für Verkehr, Wohnen und öffentliche Räume.
Für den Privatsektor gelten das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) als Diskriminierungsschutz sowie das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), das die europäische Barrierefreiheitsrichtlinie umsetzt.
Der Schwerbehindertenausweis
Der Schwerbehindertenausweis ist der offizielle deutsche Behindertenausweis. Er wird auf Grundlage des Grades der Behinderung (GdB) ausgestellt, der von 20 bis 100 reichen kann. Der Ausweis enthält Merkzeichen, die bestimmte Vergünstigungen anzeigen:
- "G": Erhebliche Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr
- "aG": Außergewöhnliche Gehbehinderung
- "B": Berechtigung zur Mitnahme einer Begleitperson (Begleitperson fährt kostenlos im Nahverkehr)
- "Bl": Blind
- "H": Hilflos (benötigt ständige Hilfe)
Wenn Sie aus einem anderen Land anreisen, haben Sie keinen Schwerbehindertenausweis. Viele Berliner Einrichtungen akzeptieren jedoch den Europäischen Behindertenausweis oder andere nationale Behindertenausweise für Ermäßigungen und Hilfeleistungen.
Europäischer Behindertenausweis
Deutschland nimmt derzeit nicht am EDC-Programm teil. Nach einer EU-Richtlinie vom Oktober 2024 muss Deutschland die Karte bis Juni 2028 einführen. In der Zwischenzeit akzeptieren viele Berliner Museen und Sehenswürdigkeiten nationale Behindertenausweise anderer Länder für Ermäßigungen. Tragen Sie Ihren Ausweis bei sich.
BVG und Barrierefreiheit
Die BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) hat stark in die Barrierefreiheit ihres Netzes investiert. Wichtige Merkmale sind:
- Niederflur-Straßenbahnen und -Busse in der gesamten Flotte
- Aufzüge an den meisten U-Bahn- und S-Bahn-Stationen (einige ältere Stationen werden noch nachgerüstet)
- Taktile Leitsysteme auf den Bahnsteigen
- Durchsagen in allen Fahrzeugen
- Rollstuhlplätze in jedem Bus, jeder Straßenbahn und jedem Zug
- Eine Echtzeit-Aufzugsanzeige auf der BVG-Website und in der App
Etwa 80 % der U-Bahn-Stationen und nahezu alle S-Bahn-Stationen sind stufenfrei. Die BVG veröffentlicht eine aktuelle Karte zur Barrierefreiheit, die zeigt, welche Stationen Aufzüge und Rampen haben.
Straßen und Gehwege
Berlins Gehwege sind in der Regel breit und gut gepflegt, besonders in zentralen Bezirken wie Mitte, Charlottenburg und Friedrichshain-Kreuzberg. Abgesenkte Bordsteine sind an Fußgängerübergängen in der gesamten Stadt Standard.
Achten Sie auf Kopfsteinpflaster in manchen Bereichen, besonders in Prenzlaür Berg, Teilen von Mitte und rund um den Hackeschen Markt. Dieses Pflaster kann für Rollstuhlfahrer beschwerlich sein. An den Hauptwegen für Fußgänger gibt es in der Regel glatten Belag neben den Kopfsteinpflasterabschnitten.
Berlins flaches Gelände ist ein großer Vorteil. Anders als in Städten wie Lissabon oder Rom werden Sie selten auf steile Anstiege treffen.
Wichtige Kontakte
Halten Sie diese Kontakte während Ihrer Reise bereit:
- BVG-Hotline für Barrierefreiheit: 030 19449 (Unterstützung im Nahverkehr)
- Berlin Tourist Info (visitBerlin): visitberlin.de/barrierefrei (Leitfäden zur Barrierefreiheit)
- Mobidat: mobidat.net (Berliner Datenbank für barrierefreie Orte und Dienste)
- Wheelmap: wheelmap.org (Karte mit rollstuhlgerechten Orten, von der Community gepflegt)
Nächste Schritte
Sobald Sie die Grundlagen kennen, erkunden Sie unsere Leitfäden zu barrierefreiem Nahverkehr und barrierefreien Hotels, um mit der Planung Ihrer Berlin-Reise zu beginnen.
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